Antje Feger /
Benjamin F. Stumpf

298.000 km, 2020, installation, light, motor, mirrows, exhibition view, Galerie im Marstall, Ahrensburg, photo: Helge Mundt
298.000 km, 2020, installation view, Galerie im Marstall, Ahrensburg, photo: Helge Mundt
298.000 km, 2020, exhibition view, Peer to Piece, Galerie im Marstall, Ahrensburg

298.000 km/s , 2020

Installation

Parabolspiegel, Metallgestell, Rundspiegel, Taschenlampe, Klebeband,
Drehmotor, Stahlseil, 2 Spiegel, 1,50 m x 1,50 m


In ihrer Installation 298.000 km / s beziehen sich Antje Feger und Benjamin F. Stumpf auf
historische Licht- und Reflexions-Experimente. Dies stellt eine Erweiterung der
Werkzyklen „Patterns of Rotation“ und „Through the Dust“ dar, in denen sie sich
mit prähistorischen sowie wissenschaftlichen Darstellungen von Himmelskörpern
insbesondere der Sonne beschäftigten. In ihrer neuen Arbeit nehmen sie Bezug auf einen
Versuchsaufbau der Drehspiegelmethode, welche im Jahr 1850/51 von Jean Bernard
Leon Foucault zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit erdacht wurde. Zu diesem
Zeitpunkt war die Größenordnung der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts auf
Grundlage von astronomischen Beobachtungen durch Ole Römer bereits recht präzise
analysiert. Aus didaktischer/aufklärerischer Sicht ist heute jedoch die Tatsache
bedeutender, dass es bei dem foucaultschen Experiment gelang, eine bis dahin in der
Vorstellung abstrakte Naturkonstante, phänomenologisch darzustellen und diese in der
Gesellschaft glaubhaft zu kommunizieren. Foucault lag mit seiner Messung damals nur
ca. 1 Prozent unter dem heutigen Wert von 299.792.458 m/s. In der raumgreifenden
Installation wird die historische Tragweite dieses Experiments künstlerisch neu verknüpft
und in Bezug zur Gegenwart gesetzt. Die Idee einer Überlichtgeschwindigkeit/
Superluminität gewinnt immer stärker an Bedeutung und das althergebrachte Zeit-Raum-
Gefüge befindet sich in einer fortschreitenden Transformation.

Zu Anfange des Sommers war der Apparat zum Gebrauche fertig, allein das schlechte Wetter
erlaubte mir nicht so schnell, wie ich es wünschte, Beobachtungen damit zu beginnen, welche
Sonnenlicht erforderten. Als sich indess der Himmel aufgeheitert hatte, benutzte ich die schönen
Tage, und erhielt Resultate, die mir bis auf eine Kleinigkeit der Ausdruck der Wahrheit zu seyn
scheinen […] Schließlich fand sich die Geschwindigkeit des Lichts beträchtlich verringert. Nach
den gewöhnlichen Daten wäre diese Geschwindigkeit 308 Millionen Meter in der Sekunde,
während der neue Versuch mit dem rotierenden Spiegel, in runder Zahl 298 Millionen, gab. Man
kann, wie mir scheint, sich so weit auf die Genauigkeit dieser Zahl verlassen, daß die
Berichtigungen, welche sie etwa erleiden möchte, nicht über 500 000 m hinausgehen.


(Aus: L. FOUCAULT: Experimentelle Bestimmung der Geschwindigkeit des Lichts, 1863)


Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn im Rahmen der Ausstellung
„Peer to Piece – Vom forschenden Blick“ und des Landeskulturverbands Schleswig-Holsteins e.V..